Vitalberg Pertisau

Wir hatten von dem Tiroler Steinöl-Museum in Pertisau gehört und da wir uns unter Steinöl wenig vorstellen konnten, fuhren wir kurzentschlossen nach Pertisau am Achensee, nur wenige Kilometer von Maurach entfernt.

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Der Ort selber besteht zum grössten Teil aus Hotelanlagen, ist also nicht das, was ich mir unter einem Urlaubsort vorstellen. Ich mag das Ursprüngliche, alte Dorfkerne mit den typischen Häusern der jeweiligen Gegend. Ein Vorteil von Pertisau ist vielleicht, dass es dort eine Schiffanlegestelle gibt, aber im Winter fahren die Schiffe eh nicht.

Das Museum, Vitalberg genannt, machte von aussen einen einladenden Eindruck und wir waren sehr gespannt, was uns darin erwarten würde.

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Eingang zum Martinsstollen

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An der Kasse (der Eintritt kostete pro Person 8,50 Euro, mit der Gästekarte gab es Ermässigung) erhielten wir Kopfhörer, über die wir beim Rundgang durch das Museum Informationen über die Geschichte des Steinöls erfuhren.

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im Boden eingelassene Vitrine

Es wurde die Geschichte der Steinölbrennerfamilie Albrecht vom Achensee erzählt. Martin Albrecht sen. stiess 1902 fast zufällig auf das Vorkommen der schwarzen ölhaltigen Steine im Bächental, einem Seitental im Karwendelgebirge auf 1500 Meter Höhe . Bei einem Unwetter suchte er Zuflucht in einer Hütte, zündete ein Feuer an und warf aus Langeweile umherliegende Steine ins Feuer. Dabei bemerkte er, dass die Steine anfingen zu brennen.

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Anfangs wurden die Steine in Schwerstarbeit fast ohne Hilfsmittel abgebaut. Das erste Bergwerk wurde durch eine Lawine zerstört. Die Familie erlitt weitere schwere Rückschläge durch Brand und später durch Erblindung des Gründers des Familienunternehmens. Aber die Söhne (Martin Albrecht hatte 10 Kinder) führten das Werk des Vaters fort. Seit 1994 löste die fortschreitende Technik langsam die körperliche schwere Arbeit ab.

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Der Rundgang war sehr interessant, zum Abschluss gab es in einem Kinosaal noch einen Film über den Abbau des Steinöles.

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Vor unserer Zeit reichte das Meer bis weit übers Karwendelgebirge hinaus. Bei dessen Rückgang blieben vorzeitliche Meerestiere und Pflanzen zurück, die jetzt den Wirkstoff in dem Ölstein bilden. Der ausserdem hohe Gehalt an natürlich gebundenem Schwefel macht die Wirksamkeit des Steinöles aus.

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Der Ölschiefer wird nur von Juli bis Oktober im Tagebau abgebaut. Über der ölhaltigen Schieferschicht, die 6 – 8 Meter dick ist, liegt ca. 1 Meter Erdreich, das abgeräumt werden muss. Der Ölgehalt beträgt 3 – 6 %, aus 60 kg Ölschiefer erhält man ca. 2 Liter Rohöl, das dann noch gefiltert und veredelt werden muss.

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so wurden die zerkleinerten Steine anfangs transportiert

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Originalgetreuer Nachbau der 1. Schwelanlage am Seeberg

Heute verwendet man das Steinöl zum Beispiel als  Hausmittel bei Rheuma und Schmerzen am Bewegungsapparat oder Pflegemittel für Mensch und Tier.  

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Der Rundgang endete im Shop, wo man die Produkte testen und auch kaufen konnte. Ein Stockwerk höher besuchten wir zum Abschluss das Café, von dem aus man einen schönen Blick auf den See hatte.

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Vitalberg mit Café hinter der Glasfassade

 

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Über traeumerleswelt

"Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen! Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren , aber aufgehört haben zu leben!" Mark Twain
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6 Antworten zu Vitalberg Pertisau

  1. Helmut schreibt:

    sehr interessanter und informativer Beitrag, danke

  2. Philipp Elph schreibt:

    Ölschiefer in meiner Nähe: Die Grube Messel
    https://www.grube-messel.de/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Messel
    Auch eine Besichtigung wert.

    • traeumerleswelt schreibt:

      Vielen Dank für den Tipp ! Wenn mir mal in der Gegend sind, werden wir die Grube sicher besuchen. 🙂 Ab August beginnt mein Leben nach der Arbeit und da kann man die 3 Stunden Fahrt mit dem Camper machen und irgendwo übernachten 😉

  3. Philipp Elph schreibt:

    ….und was da alles gefunden wurde und noch gefunden wird!

  4. rotewelt schreibt:

    Interessant, der Beitrag und das Zufallsfeuer! Viele neue „Erfindungen“ oder „Techniken“ sind ja so zufällig oder durch einfaches Ausprobieren entstanden.

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