an manche Dinge gewöhnt man sich nie….

heute ist wieder so ein Tag…im Nachbarhaus, bzw. Stall werden die Schafe geschoren, Erwachsene und Jungtiere…eigentlich was normales und schön, dass diese Dinge so nah sind.

Aber zu meinem Bedauern werden nicht alle Tiere geschoren und schon steht das Wissen in meinem Kopf, dass diese Schafe bald ihr Leben beenden müssen. Auch das wird einige Jungtiere treffen.

Irgendwie scheint die Sonne nicht mehr so hell und der Frühlingstag ist nicht mehr der gleiche.

Mancher wird jetzt denken, so ist die Natur eben. Mein Verstand ist der selben Meinung, aber mein Herz eben nicht.

Manchmal denke ich, dass es Menschen, die nicht so tief empfinden und alles leichter nehmen können, einfacher haben im Leben. Aber vielleicht empfinden sie dann auch Freude nicht so tief. Und darauf möchte ich eigentlich nicht verzichten.

Und die Gedanken gehen weiter zurück…vor gut 2 Jahren kam ich in diese Gegend hier, voller Vorfreude und offen für Neues. Dann passierte der tragische Unfall, bei dem ich meinen besten Freund, einen 5-jährigen Mischlingsrüden, verlor. Das trifft mich heute noch oft, als sei es erst gestern gewesen..Trauer steigt auf und Schuldgefühle……

Das waren schlechte Voraussetzungen für das Einleben hier. Dazu die Beobachtungen bei der Schafhaltung in der Nachbarschaft.

Es ist wunderschön, wenn die Kleinen auf die Welt kommen und voller Lebensfreude umher springen. Da könnte ich stundenlang zuschauen.

Aber dann sieht man auch wieder negative Dinge, die so wirklich nicht passieren müssten, wenn der Halter etwas mehr an seine Tiere und nicht nur an seinen Geldbeutel denken würde.

Einige Beispiele: sehe beim Spazierenlaufen ein Lamm unter der Mulde eingeklemmt (Transportmulde wie man sie auf den LKW’s sieht), die den Tieren als Unterstand dient. Es schreit jämmerlich. Das Gelände ist durch einen Elektrozaun gesichert. Ich schaue mich um, kein Mensch in der Nähe und ich schaffe es alleine nicht, das Lamm zu befreien. Also rufe ich den Halter auf’s Handy an und bitte ihn herzukommen. Er verspricht es. Volle 2 Stunden muss ich auf ihn warten, dabei war er nur ca. 3 km entfernt. Um das Kleine zu beruhigen fange ich an Kinderlieder zu singen. Es wird ganz ruhig dabei, nur wenn ich aufhöre, fängt es wieder an zu jammern. Also mache ich weiter bis Hilfe kommt und der Halter es befreit.

Ein andermal ist ein Schaf im Zaun verfangen, diesmal hilft mir ein Nachbar…oder ein Mutterschaf klemmt sich im Gitter ein, auch da rief ich den Halter an und dieses Mal kam er schneller. Noch ein tragischer Fall, sehe mitten in der Herde ein Schaf liegen. Denke mir da noch nichts dabei, erst als alle anderen Tiere im Stall verschwinden und es immernoch dort liegt. Beobachte wie es aufstehen will, aber immer wieder einknickt. Und bald kommt die Nacht. Rufe den Sohn des Halters an, da der Vater nicht erreichbar ist. Der kümmert sich dann darum. Auf meine Nachfrage am nächsten Tag sagt man mir, dass sie das Tier mit einem Kran geholt und in den Stall gelegt hätten. Aufstehen könne es nicht, aber es sei so ein gutes Mutterschaf.

Nicht zu reden davon, dass die Schafe, die zum Metzger müssen am Abend vorher, immer Montags, in so eine Mulde gesperrt werden und die ganze Nacht darin bleiben müssen.

Das Blöken und gegen die Metallwand klopfen die ganze Zeit tun in der Seele weh. Würde am liebsten als hingehen und die Mulde öffnen, um die Tiere zu befreien.

Schlimm finde ich auch das Aufladen der Mulde auf den LKW, die Tiere müssen dabei eine mindestens 45 gradige Schräghaltung der Mulde aushalten.

Das alles ist einer der Gründe, dass ich mich nie richtig eingewöhnen konnte hier.

Aber in 4 Wochen ziehen wir um, für mich wird es eine Rückkehr ins Elsass, es wird wie ein heimkommen sein..

                                                                                                                  

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Über traeumerleswelt

"Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen! Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren , aber aufgehört haben zu leben!" Mark Twain
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8 Antworten zu an manche Dinge gewöhnt man sich nie….

  1. rotewelt schreibt:

    Ja, so traurig es ist, doch für viele Halter von „Nutz“vieh – der Begriff sagt ja schon alles – sind die Tiere eben finanziell von Nutzen, sie verdienen ihr Geld damit und sind gänzlich unsentimental. Du bist ja eine Liebe, so lange bei dem eingeklemmten Schaf zu verweilen und es sogar durch Singen zu beruhigen. Aber ich bin auch so verrückt… Habe als Kind stundenlang bei dem Kettenhund des Nachbarn verweilt, damit er nicht mehr jault. Und einen Ziegenbock habe ich auch schon befreit, der sich mit den Hörnern in einem Drahtzaun verfangen hat, irgendwo auf dem Land in der Bretagne.

    • traeumerleswelt schreibt:

      dann verstehst du mich ja, wie weh es tut solche Dinge zu beobachten..das ist schön !
      Für mich sind Tiere Lebewesen, die es verdient haben, dass man gut mit ihnen umgeht und sie ihr, wenn auch manchmal leider kurzes Leben geniessen können…

  2. cablee schreibt:

    Ach, so etwas würde mir auch an die Nieren gehen.

    Es freut mich aber, dass du nach Hause ziehst, Träumerle! Alles Gute im neuen/alten Daheim!

  3. traeumerleswelt schreibt:

    danke dir herzlich für deine guten Wünsche ! Habe 12 Jahre im Elsass gelebt, bevor ich in die Schweiz ging und freue mich sehr auf die Rückkehr 🙂

  4. haushundhirschblog schreibt:

    Ja, ich glaube, diese Empathie hat man, oder man hat sie nicht. Ich freue mich jedes Mal und ziehe den Hut, wenn sich Menschen für das Wohl und den Schutz von Tieren einsetzen. Ich würde am liebsten noch viel tiefer und aktiver das Thema Tierschutz für mich zulassen. Aber ich scheitere bereits bei bebilderten Berichten und Reportagen, selbst bei Texten gelingt es mir nicht gut, auszuhalten, womit ich konfrontiert werde. Ich empfinde immer mehr, wie mich dieses leidvolle Thema lähmt, anstatt mich handeln zu lassen. Vor allem, seit ich selbst mit Hunden lebe. Wenn das mal kein Widerspruch ist …
    Ich danke Dir für diese offenen Zeilen.
    Herzliche Grüße, mb

    • traeumerleswelt schreibt:

      kann es sehr gut nachempfinden wie es dir dabei ergeht ! Ich denke nicht, dass das ein Widerspruch ist. Durch das Zusammenleben mit z.B. Hunden wird man sensibilisiert, man kann sich in die Tierseele einfühlen..zumindest habe ich bei mir das Gefühl..Schmerzen, die sie erleiden müssen fühlen sich an wie eigene. Man möchte helfen und wenn man nicht viel tun kann ist das ein Gefühl wie wenn sich innerlich alles verkrampft.
      Es ist schwer auszudrücken..aber das Gefühl der Lähmung kenne ich auch.
      Grüsse herzlich zurück..K.

  5. ehre9 schreibt:

    Der gute Mensch ..kann schlimm sein !

  6. traeumerleswelt schreibt:

    das stimmt ! Irgendwie fühlt man das Leid der Tiere mit….

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