umfriedeter Pfarrbezirk, Plougonven

Das nächste Ziel, das mir am Herzen lag, war der umfriedete Pfarrbezirk von Plougonven. Hatte ihn schon einmal vor 7 Jahren im Februar besucht und er ist mir persönlich als ein ganz besonderer Ort in Erinnerung.

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Plougonven liegt ca. 10 km südöstlich von Morlaix im Landesinneren.            

Der Pfarrbezirk ist leicht zu finden, einfach mitten durchs alte Dorf fahren und da kommt man direkt darauf zu.

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Es war später Vormittag und ausser ein paar Einheimischen, die einkaufen gingen und einem frei laufenden Schäferhund, der mit seinem kleinen Terrier-Kumpel durchs Dorf zog, war niemand zu sehen.

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Hier war es herrlich ruhig und von dem Bezirk ging eine friedvolle wohltuende Stimmung aus.                        

Nur in der Bretagne findet man die umfriedeten Pfarrbezirke (enclos) in dieser Form.

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Ein Enclos besteht aus der Kirche, einem Beinhaus (ossuaire), dem Kalvarienberg (calvaire), einem Friedhof und einer Umfriedungsmauer mit einem Triumphtor, durch das man das Pfarrgelände betritt. Oft findet man dort eine erhöhte Steinplatte über die man steigen muss. Sie soll den Toten Schutz bieten vor Dämonen und ewiger Verdammnis.                                                       

Das Beinhaus diente zur Aufbewahrung der Gebeine lange Verstorbener, die man im Friedhof ausgrub, wenn er zu klein wurde.   

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Der calvaire stellt den religiösen Mittelpunkt dar.

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Er ist ein Monument auf einem Steinsockel, entweder rund oder eckig, der mit umlaufenden Figurenfriesen geschmückt ist.

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Es werden verschiedene biblische Szenen dargestellt.

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Darüber ist der eigentliche calvaire mit der Darstellung der Kreuzigung Christi als Mittelpunkt.  Früher wurde hier den Schülern des Ortes die biblische Geschichte beigebracht.  

 

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Die Figuren strahlen eine Lebendigkeit aus, die faszinierend ist. Man könnte ewig stehen und entdeckt immer wieder was neues. Die Steinmetze damals haben wirklich volle Anerkennung verdient, solche Figuren aus dem harten Granit zu schlagen ist eine Kunst für sich.

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Die Pfarrbezirke stammen meistens aus dem 15. – 18. Jahrhundert. Damals war die Bretagne wirtschaftlich sehr gut gestellt, vor allem durch den Tuchhandel. In dieser Gegend wurde Hanf und Flachs angebaut und mit den Tüchern wurden die Segelschiffe ausgestattet. Die Dörfer wollten ihren Reichtum mit jeweils dem prächtigsten Pfarrbezirk demonstrieren. Es entstand ein regelrechter Konkurrenzkampf darum.

Aber die Pfarrbezirke wurden damals auch von der katholischen Kirche zu Propaganda Zwecken missbraucht. Die Bretonen hatten sich nämlich Ende des 16. Jahrhundert von der Kirche ab- und entweder den Hugenotten zugewandt oder sie sympatisierten wieder mit den alten heidnischen Göttern. Auch die heidnischen Brauchtümer lebten damals wieder auf.   

Die Kirche setzte zur Gegenrevolution an. Die Aufsässigen und Uneinsichtigen mussten Ketzerprozesse über sich ergehen lassen und wurden hingerichtet, die Unentschlossenen sollten mit den Prachtbauten überzeugt werden.               

Das einfache Volk verstand die Bildersprache und sollte sich dadurch angesprochen fühlen. Es werden die Sünde und Erlösung von irdischer Last sowie die himmlische Befreiung dargestellt.                                                 

Die Kosten der Bauten wurden aus dem Reichtum der Tuchmacher bestritten. Da dies meist Hugenotten waren, wanderten diese in der Folge ab und damit auch der Reichtum aus der Region.   

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Über traeumerleswelt

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